Kategorie: DRAMATIK

dramatik von thomas perle | 

 

karpatenflecken | als der westen in den osten wehte und der osten in den westen floh. | mutterseele. dieses leben wollt ich nicht. | caroline feiert geburtstag. vergisst das sterben nicht. | wir gingen weil alle gingen. | europas töchter | herzteig. das leben ist nicht aus zucker | muttertod. gott verdammter alkohol

mutterseele. dieses leben wollt ich nicht.

mutterseele. dieses leben wollt ich nicht.


INHALT

RITA lebt ein verlebtes leben. eines, das sie so niemals wollte.
sie lernte gerhard kennen, wurde schwanger und heiratete den vater ihres kindes marie. schnell wurde das eheleben zur hölle. der alkohol, anfangs noch als etwas nebensächliches eingeführt, wurde mehr und mehr hauptbestandteil in RITAs welt, nachdem gerhard aus dieser verschwunden ist. die erwachsene marie, traumatisiert von ihrer kindheit mit der alkoholkranken mutter, versucht ihr leben anders zu führen, auf keinen fall möchte sie so werden.
doch sie verliebt sich und die geschichte nimmt ihren lauf.

frei zur DE

Mit Claudia Carus, Lilly Prohaska, Lisa Weidenmüller, Nikolaij Janocha, Florian Stohr
Regie Lina Hölscher
Bühne und Kostüme Julia Grevenkamp und Santo Krappmann

WERK X - PETERSPLATZ


PRESSESTIMMEN

[E]in vielversprechendes Autorendebüt und eine durchaus bezwingende Uraufführung. [Wiener Zeitung]

Perles Text merkt man das einfühlsame/ehrliche und detaillierte Studium seines Thema an. Ein berührendes Biopic über Mutterschaft, das Frausein und die Einsamkeit des Alkoholismus. [CALLISTI]

Das Publikum wird nie losgelassen, darf sich nicht nicht konzentrieren. Es wird eingeladen, sich die Satzenden selber zu bilden, sich selber für eine Bruchsekunde zu beteiligen. Bis das Stück den Zuseher wieder bei der Hand nimmt. All diese Aspekte, welche gezielt eingesetzt wurden, erzeugen ein wundervolles Gefühl. Man fühlt sich als Publikum ständig involviert, ständig mitten im Geschehen. Es ist das Publikum, das sich die Kulissen der Szenen selbst malt, es ist das Publikum, der den Protagonisten das letzte Wort in den Mund legt. (...) Wenn minimalistisches Theater Großes schafft. [VANGARDIST]

Nicht nur das Werk X in Meidling, auch dessen Innenstadtdependance Eldorado ist immer wieder für dramatische Entdeckungen gut. Diesmal gilt die Aufmerksamkeit Autor Thomas Perle und seinem Stück „mutterseele. dieses leben wollt ich nicht“, das wie mit spitzen Nadeln unter die Haut fährt. (...) Perles Text ist beinhart. Er hat seine Figuren der Sprache beraubt, hat ihnen den Ausdruck amputiert. Er lässt sie wortstammeln, in Halbsätzen ärgern sie sich über ihre Existenz. (...) Den Text hat Hölscher bis in seine Tiefen ausgelotet. [Mottingers Meinung]

Es ist, als würde man eine DVD in zweifacher Geschwindigkeit abspielen. Man kriegt noch alles mit, aber es geht halt schneller. Perle schafft es innerhalb der kurzen Zeit auch, die Entwicklung biografisch herzuleiten, sodass nie auch nur eine einzige Frage aufkommt. [nachtkritik]

Fotos: Edi Haberl

caroline feiert geburtstag. vergisst das sterben nicht.

caroline feiert geburtstag. vergisst das sterben nicht.


INHALT

caroline, mitte dreißig, feiert seit langem wieder ihren geburtstag. sie hat einen sie liebenden freund, einen leiblichen vater und eine beste freundin. das könnte schön sein und geborgenheit schenken, könnte man meinen. aber wie so oft trügt der schein.
die geburtstagsfeier wird zur geburtsfeier der wahrheit. vergangenheit hält unerbittlich und zerstörerisch einzug und macht alle hoffnungen und träume zunichte.
ein intensives und schonungsloses kammerspiel, das seine protagonisten an den abgrund führt und sie dort einander überlässt.

frei zur UA

nominiert für das peter-turrini-dramatikerInnenstipendium 2017.

präsentiert beim

 

 

Mit Vidina Popov, Helmut Wiesinger, Lukas Wurm, Josephine Bloéb
Regie Moritz Beichl

Fotos: Julia Grevenkamp

wir gingen weil alle gingen.

wir gingen weil alle gingen.


INHALT

eine rumänische familie macht sich anfang der 1990er jahre auf den weg nach nürnberg, um hier eine neue heimat zu finden. aus der perspektive einer 11-jährigen wird der niedergang eines staates, umsturz, die rumänische revolution, beschrieben, die für viele befreiung hieß aber auch unsicherheit und verlust. im rahmen einer schreibwerkstatt für den theaterjugendclub entstanden texte, die mit der autobiografisch angehauchten geschichte verknüpft wurden. der theaterjugendclub spricht wie mit einer stimme. parallelen werden offenkundig zu emotional hochaufgeladenen diskussionen um „flüchtlingsströme“ und einem fast schon drohenden „deutschland verändert sich“-schrei in den 90er jahren und heute. aus einer entfernung von über 20 jahren wird der einwanderungsprozess und seine möglichkeiten betrachtet.

UA 23.04.2016 Staatstheater Nürnberg


Mit
Marie Bernard, Jessica Caputo, Maria Degtyar, Sarah Delang, Magdalena Dietze, Franziska Junge, Vanessa Grießhammer Patrik Grießmeier, T-Love Igbekoyi, Eva-Maria Kallnischkies, Ruby Meyer, Liane Mair, Atefeh Rezaee, Matthias Schulz, Gina Seitz, Kai Weidinger

Regie Thomas Perle, Josephine Köhler, Anja Sparberg
Bühne und Kostüme Julia Grevenkamp

Fotos: Jutta Missbach

europas töchter

europas töchter


INHALT

europa liegt im sterben. ihre niere ist hin. ihre töchter AUSTRIA, GERMANIA und MARIANNE, nach langer zeit wieder vereint, müssen nun entscheiden, wer als spenderin herhält. ein familiärer streit entbrennt, alte wunden platzen auf, vergangenes und vergessen geglaubtes wird wieder aufgewühlt. kann man aus fehlern lernen?

UA 02.10.2015 MIMAMUSCH | Festival für Kurztheater

Mit Louise Knof, Johanna Rehm, Nora Wagner

Regie Thomas Perle
Bühne und Kostüme Julia Grevenkamp
Dramaturgie Josephine Knauschner

Foto: Julia Grevenkamp | Titelfoto: Peter F. Kupfer

herzteig. das leben ist nicht aus zucker.

herzteig. das leben ist nicht aus zucker.

prolog. sowas wie es war einmal.

vor langer langer zeit. einer ewigkeit. liebte fräulein zucker. den zuckerbäcker. und der zuckerbäcker liebte. fräulein zucker.
sie waren jung. dumm. die welt vor ihren füßen. der horizont weit weit. so weit weg. ihre mägen voller erwachsene raupen, die nicht aus den mündern fliegen wollten.
ihre herzen geschwollen. aufgebläht voller liebesluft. einst. vor langer langer zeit.

möhrenkuchen. liebe ist aus.

frau zuckerbäcker
die möhrenkuchen sind aus!

der zuckerbäcker
was?

frau zuckerbäcker
hörst du schlecht?
die möhrenkuchen sind aus!

der zuckerbäcker
ich bin grad dabei die torte!

frau zuckerbäcker
welche torte?

der zuckerbäcker
die hochzeitstorte für morgen!

frau zuckerbäcker
was?

der zuckerbäcker
hörst du schlecht?

frau zuckerbäcker
wenn du da hinten und ich hier vorne
sicher hör ich schlecht.
du affe.

der zuckerbäcker
was hast du gesagt?

frau zuckerbäcker
nichts nichts.
manchmal möcht ich dir die kuchen in den arsch.

der zuckerbäcker
was?

frau zuckerbäcker
nichts hab ich gesagt!

der zuckerbäcker kommt nach vorne zur theke. begutachtet diese.

Weiterlesen

muttertod. gott verdammter alkohol.

muttertod. gott verdammter alkohol.

prolog. die geschwister.

die schwester
schock. starre. in die man
fällt.
wenn plötzlich. ganz plötzlich.
jemand

der bruder
ein wichtiger mensch

die schwester
ein wichtiger mensch ja.
plötzlich nicht mehr da

der bruder
weg

die schwester
weg
ja.

der bruder
und vorher das ganze hundertmal durch

die schwester
dacht. weil der

der bruder
dieser geliebte mensch

die schwester
sich selbst nicht so geliebt. wie du

der bruder
wie du ihn.

die schwester
von natur aus diese liebe. ganz natürlich

der bruder
weil es ja der mensch in dem du

die schwester
von dem du

der bruder
in die welt

die schwester
hereingeherzt wurdest

der bruder
eher geschleudert. in diese scheiß welt.

die schwester
sag das nicht.

der bruder
ist doch eine scheiß welt. bitte.

die schwester
sei nicht so.

der bruder
bin so.
der mensch. den du so natürlich liebst

die schwester
liebtest.

der bruder
ja jetzt liebtest.
nein.
noch liebst. liebe.
die
stirbt nicht. stirbt nicht mit dem menschen.
nein.
die liebe.
ich also liebe noch

die schwester
diesen menschen. den man von natur aus.

der bruder
du ja nicht so.

die schwester
jetzt nicht. später.
jetzt hier.

der bruder
also der mensch. den du. ich von natur aus wohl am meisten von allen menschen die einem im leben.
keinen anderen menschen wirst du je so. lieben. wie diesen.

die schwester
die mutter.

der bruder
die mutter. ja.

die schwester
darum der schock so groß.
trotzdem

der bruder
trotzdem es absehbar.
weil wie gesagt. der mensch

die schwester
die mutter

der bruder
unsere mutter.

die schwester
sich selbst nicht so geliebt wie uns.

der bruder
und sich in den

die schwester
tod

der bruder
ja

die schwester
na sag's doch!

der bruder
ja!
in den tod

die schwester
gesoffen. ja!

der bruder
in den tod gesoffen.

die schwester
weil sie selbst sich nicht mehr liebte.

der bruder
hatte ja kein leben mehr.
würd es nicht mehr als leben bezeichnen.
wenn man nur noch für jemand anderen.

die schwester
für dich. seien wir so ehrlich

der bruder
für mich. ja. gott. war ich halt das lieblings.

die schwester
und ich das obligatorische.
und stehen beide gleich blöd da
jetzt

der bruder
als waisen.

die schwester
vollwaisen, ja.
ohne mutter
ohne vater.

der bruder
ich mein. sie hat. sie haben. mich ja noch nicht fertig gesehen.
so fertig im leben stehend. weil so jung.

die schwester
reiß dich zusammen.
bist halt am arsch. jetzt.
warst jetzt die längste zeit ein wunsch

der bruder
kind. ja ich weiß. brauchst es mir nicht ständig unter die nase.
nur weil du einfach gekommen bist. von heut auf morgen.
ganz obligatorisch.

die schwester
aber das ist jetzt nicht der punkt.

der bruder
was ist der punkt also?

die schwester
beide sind wir am arsch.

der bruder
du bist so kalt.

die schwester
jahre schon drauf vorbereitet.
und jetzt tu nicht so. du auch.
hast noch nicht einmal geweint.

der bruder
ich weiß. weiß auch nicht was mit mir.
vielleicht weil ich wirklich damit.
viel früher schon damit gerechnet
und mich darauf eingestellt, dass wir sehr bald hier stehen.


INHALT

ein geschwisterpaar trauert. der bruder und die schwester sind konfrontiert mit dem tod der alkoholkranken mutter. schwer lastet der verlust auf ihnen. sie klagen sowohl die verstörte großmutter, als auch die zur verdrängung neigende großtante an.
ein sprachlich dichtes, rhythmisch exakt komponiertes stück, das mit dunklen worten und gedankenfetzen familiengeschichte und kindheit der beiden protagonisten verarbeitet.

es ist der erste dramatische versuch. das allererste stück, das die WIENER WORTSTAETTEN aufmerksam machte.

präsentiert am 02.03.2015 WIENER WORTSTAETTEN
frei zu UA

Foto: @chuttersnap // Unsplash

Titelfoto: Thomas Picauly // Unsplash